CINDY LIEBT MICH NICHT

Buch und Regie: Hannah Schweier (nach dem Roman von Jochen Martin Gutsch und Juan Moreno)

Die grundsätzliche Prämisse ist sehr einfach: FRANZ (Clemens Schick) und DAVID (Peter Weiß) lernen sich kennen, weil sie von derselben Frau, MARIA (Anne Schäfer) verlassen wurden. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche. Der zurückhaltende, schüchterne und biedere David war wohl über längere Zeit ihr fester Freund, der ziellos in den Tag hinein lebende Franz ist ihre derzeitige Affaire.

In dieser schlichten Vorgabe steckt viel Potenzial. Der kaum vorhandene Plot lenkt nicht groß ab, es gibt sehr wenig äußere Verwicklungen und Ablenkungen, sondern nur den “culture clash” der beiden Charaktere und die Frage, was mit der gemeinsamen Geliebten geschehen sein mag.Wo der Plot fehlt, ergibt sich die Möglichkeit, intensiv an den Charakteren zu arbeiten. Wir kennen schöne Beispiele für ähnlich gelagerte Road Movies, im deutschsprachigen Raum dürfte vermutlich “Indien” das erfolgreichste Modell für diesen Erzähltypus sein.

An das Drehbuch wäre also die Forderung zu stellen, dass es uns die Charaktere so intensiv und farbig wie möglich ausleuchtet; die Beziehung der beiden ungleichen Männer so intensiv wie möglich gestaltet und den Sog, der von der verschwundenen Frau ausgeht, kraftvoll entwickelt.

Die Tiefe der Charaktere stellt sich dann ein, wenn verschiedene Schichten ihres Bewusstseins zum Vorschein kommen; wenn unterschiedliche Formen von Bindung und Loyalität entwickelt werden oder Schein und Sein aufeinander prallen. Charakterliche Tiefe ist stets die Folge einer großen Bandbreite von Bindungen und eines hohen Maßes an Commitment. Die Intensität der Beziehung entsteht dann, wenn die beiden Kontrahenten in Austausch geraten und ein Geben und Nehmen spürbar wird. Die Sogkraft der verschollenen Frau schließlich entwickelt sich, sobald wir spüren, wie intensiv die beiden Männer mir ihr verbunden waren.

“Cindy liebt mich nicht” hat allerdings leider auf allen drei Ebenen ganz erhebliche Defizite.

Die beiden Männerfiguren zeigen sehr wenig Commitment. Sie scheinen kein Vorleben zu haben – keine Freunde, Familien, oder etwa auch ideelle Bindungen. Die Interesselosigkeit ist das vorherrschende Prinzip. Dass beide einfach ihren Job aufgeben, scheint sie kaum zu beschäftigen. Von “Charakter” zu sprechen, ist eigentlich kaum möglich. Beide sind eher Typen, also auf ein bestimmtes Verhalten festgelegte Klischees. David und Franz geraten aber auf ihrer Reise auch kaum wirklich intensiv aneinander, es kommt zu keiner wirklichen Bindung, die auf Austausch beruhen würde. Nicht einmal über die gemeinsame verflossene Freundin kommunizieren sie. Es herrscht also ein Aneinander-Vorbeileben, das selten Höhepunkte erreicht. Und die Sogwirkung von Maria kommt deshalb nicht zustande, weil nicht klar wird, was die beiden Männer mit ihr geteilt haben. Man erfährt zwar, dass der gutmütige David für sie den Parkettboden abgeschliffen hat und dafür mit Sex belohnt wurde. Auf die behauptete längere Beziehung deutet aber nichts. Über Franz und Maria erfährt man, dass sie in seiner leeren Wohnung getanzt haben. Sehr viel ist das auch nicht.

Dass Maria wohl erhebliche psychische Probleme hatte und an einem Übermaß an Liebesbedürftigkeit litt, scheint keinem der beiden Männer aufgefallen zu sein. Doch auch der Zuschauer erfährt hier nichts Greifbares, so dass Maria eine recht diffuse, wenngleich interessante Chimäre bleibt.

Insofern werden alle positiven Potenziale, die in der Prämisse angelegt gewesen wären, nicht genutzt. Für eine Auswertung am Kinomarkt bedeutet das in der Regel, dass sie entweder gar nicht stattfindet, oder, wie hier, zwangsläufig am untersten Ende der Skala bleiben muss.

MARKTPROGNOSE:

“Cindy liebt mich nicht” hat es ganz schwer. Das Drehbuch bleibt in jeder Hinsicht hinter dem zurück, was man für eine auch nur halbwegs erfolgreiche Kinoauswertung hätte voraussetzen müssen. Insofern kann man von einem Maximalwert von 5.000 Zuschauern ausgehen. Angesichts der Möglichkeiten ist das sehr schade.

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