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Filmbesprechung

Ein Sommersandsturm

Buch und Regie: Peter Luisi

Der Film bewegt sich in einem spannenden Terrain. Die Trennschärfe der beiden Welten ist zunächst hoch. Im Mittelpunkt steht eine ideelle Bindung, nämlich die Liebe zur Musik. Doch der Umgang der beiden Protagonisten mit den großen Träumen von einer musikalischen Karriere ist ganz unterschiedlich: BENNO (Fabian Krüger ) hat seine Ziele viel zu hoch gesteckt. Zum Dirigenten hat er es nicht gebracht. Die Frustration darüber lässt er nun an anderen aus – insbesondere an SANDRA, seiner Nachbarin (Irene Bügger ). Sandra wiederum hat nur bescheidene Ambitionen, arbeitet hart an selbst erdachten Songs, aber sie traut sich nicht an die Öffentlichkeit.

In dieser Spaltung von Welt und Gegenwelt liegt zunächst eine Menge Spannung. Und indem sich am Ende Benno dazu durchringen muss, seine Ansprüche herunter zu schrauben, um dafür Sandra zur Entfaltung ihrer Karriere zu verhelfen, erzählt der Film eine Botschaft, die human und stimmig wirkt. “Beiträge für andere” sind groß geschrieben. Damit hat “Ein Sommersandtraum” einige gute Argumente für sich.

Allerdings hat sich der Film einer Erzählweise  verschrieben, die ganz wenig Ambivalenz zulässt. Die Zuschreibungen (Benno = frustrierter, verlogener, rücksichtsloser Egoist; Sandra = begabt, aber ohne Selbstvertrauen) funktionieren allzu eindeutig. Hinzu kommt die ebenso eindeutige Bedeutungsebene der Metapher: wenn Benno Sand verliert, ist er dabei, sich selbst zu belügen. Das hat man bald verstanden – und danach kommt nicht mehr viel. Und die Zielrichtung der Dramaturgie wird ebenfalls bereits sehr bald unzweifelhaft vorgegeben: Benno und Sandra sind dazu bestimmt, ein Paar zu werden – das hämmert uns der sehr oft zwischen geschnittene, immer wieder kehrende Traum vom glücklichen Leben in südlichen Gefilden überdeutlich ein. Viel Zweifel über den Ausgang des Ganzen bleiben nicht.

Auf diese Art wirkt “Ein Sommersandtraum” wie eine Rechnung, die allzu leicht aufgeht. Eine echte Konfliktspannung, die uns Zuschauer in Atem hält, weil man nicht weiß, wie es weiter gehen mag, stellt sich nie ein. Die soziale Vernetzung ist ausgesprochen schwach entwickelt: Sandra hat gar keine Freunde, Vertrauten, Geliebten, ja sogar ihr Café ist fast immer ganz leer. Und die wenigen Bezugspersonen von Benno bleiben Statisten. Auf diese Art und Weise ist der Film darauf zurückgeworfen, sich immer wieder im Kreis zu drehen. Die Wiederholungen des Immergleichen hören erst spät auf. Es wird von der Gutmütigkeit und Geduld des Publikums abhängen, wie früh oder spät man sich durch Redundanzen ermüdet fühlen muss.

Dennoch hat “Ein Sommersandtraum” noch ein Ass im Ärmel: der Auftritt, wenn Sandra dann endlich ihren Tango singen darf, ist zwar kurz, aber fulminant. Während der Film lange Zeit wie mit angezogener Handbremse sein Potenzial zurückhält, kommt hier für einen kurzen Moment etwas Starkes in Fluss. Dadurch wird das zuvor arg ermüdete Publikum am Ende doch wesentlich frischer entlassen, als man das lange Zeit vermuten durfte. Insofern sind die Aussichten am Markt am Ende doch wieder nicht so ganz schlecht.

“Ein Sommersandsturm” kann dadurch sein (vermutlich eher an der positiven Botschaft als der dramaturgischen Spannung interessiertes) Zielpublikum durchaus finden. Aufgrund der vielen schwachen Vorgaben (keine Stars, keine Namen, wenig mitreißende Wirkung, die zu starker Mundpropaganda führen könnte) dürfte sich der FIlm am Ende bei Werten aber doch nur um die 25.000 Zuschauer halten.

Einschätzung von Dramaturgie und Marktwert: Roland Zag

München, 24.7.2011

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