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Filmbesprechung

Kokowäh 2

Buch: Til Schweiger, Bela Jarczyk; Regie: Til Schweiger, Torsten Künstler

Der originale “Kokowääh”, der 2011 in die Kinos kam, basierte auf einem dramaturgisch schlüssigen Grundkonflikt. Da war die kleine MAGDALENA (Emma Schweiger), die zwischen der abwesenden Mutter, dem biologischen Vater und dem Stiefvater hin-und hergeschoben wurde. Die Empathie lag selbst verständlich voll beim vernachlässigten Kind, während die handlungswirksame aktive Frage bei HENRY (Til Schweiger) lag. Er musste sich entscheiden, ob er sein bis dahin erotomanisches Leben für immer so weiter führen, oder Verantwortung übernehmen will. Daraus entstand bekanntlich ein gewaltiger Publikumserfolg – was sich auf Drehbuchbasis durchaus erklären und rechtfertigen ließ. Natürlich wird man auch beim originalen “Kokowääh” kritisieren können, dass vieles mechanistisch, reißbrettartig und absolut vorhersehbar wirktr. Aber eben gerade die Vorhersehbarkeit – üblicherweise als dramaturgische Schwäche gebranntmarkt – erweist sich bei diesem Genre und diesem Zielpublikum als Garant der Publikumswirksamkeit. Die Zielgruppe dieser Filme will eben mehrheitlich NICHT überrascht werden. Man mag sich wundern, muss das aber zum Erfolgsgeheimnis hinzu rechnen.

“Kokowääh 2? nun schreibt diese Geschichte zwar weiter, weist aber längst keine so stimmige Dramaturgie auf. Eine klare Konfliktspannung ist schwer zu erkennen.Zwar beruht die Story auf zwei Plot-Points: 1. Henrys Geliebte KATHARINA (Jasmin Gerat) zieht aus, weil sie den Egoismus ihres Begleiters nicht mehr erträgt; 2. Magdalenas Stiefvater TRISTAN zieht in die Wohnung ein. Doch ein eigentlicher Antagonismus ist kaum zu erkennen. Dass neben Magdalena jetzt noch ein weiteres Kind mit von der Partie ist, wirkt sich erzählerisch kaum aus, das Baby gerät mitunter beinahe in Vergessenheit.

Wirkliche Wertekonflikte kommen eher in den Nebenlinien zum Tragen. Letztlich dreht sich alles um eine lockere Folge von mehr oder weniger beliebig an einander gereihten kleineren Konflikten (die Suche nach Tampons für das Mädchen; die versehentliche Liebesnacht zwischen Katharina und Tristan; die egozentrische Manie des eitlen Selbstdarstellers MATTHIAS SCHWEIGHÖFER usw.), anstelle eines einzigen, zentralen und alles überwölbenden Themas. Entsprechend funktioniert die Dramaturgie eher “von der Hand in den Mund”: immer mal wieder passieren die Dinge gleichsam aus dem Nichts. Figuren tauchen auf, werden vorübergehend wichtig (wie etwa die NANNY), und tauchen wieder unter.Ein wirklich bewegendes Miteinander bleibt Seltenheit (während sich im ersten Teil durchaus intensive Szenen etwa zwischen den beiden Vätern fanden). Hinzu kommt eine Insider-Diskussion zum Thema “Arthouse-Film”, die das Zielpublikum mehrheitlich nichts angehen dürfte…

Wie es sich anfühlt, wenn tatsächlich relevante Themen verhandelt werden, macht sich eher auf einer Nebenschiene bemerkbar. Denn die kleine MAGDALENA steht zwischen zwei unterschiedlichen Bewerbern: hier der reiche und eitle MAX (Nico Liersch), dort der hilfsbereite, aber sozial unterprivilegierte NICK (Maurizio Magno). Die Zuordnung wird zwar nicht gerade subtil erzählt – aber hier geht es erkennbar um WERTE. Und sofort entsteht eine echte Emotionalität, die sich auf der Ebene der Erwachsenen nur selten einstellen mag. Entsprechend wird es dann am Ende vornehmlich den Kindern überlassen, die Story ihrer Eltern zu kommentieren und eine entsprechende Wandlung in Gang zu setzen.

Insgesamt kann also “Kokowääh 2? mit einer nur viel geringeren Grundspannung operieren. Für den Erfolg des Films wird dies in den ersten Wochen kaum relevant sein – denn die Marke “Til Schweiger” zieht natürlich mit dem sonstigen Staraufgebot des Films so oder so Millionen in die Kinos. Man muss aber abwarten, ob nicht im Laufe der Herausbringung dann doch “Kokowääh 2? wesentlich früher einbrechen und am Ende doch mit viel geringeren Zahlen dastehen wird. Denn der Sog, der vom ersten Teil der Reihe ausging, war dann erzählerisch doch wesentlich größer. Insofern dürfte der zweite Teil vermutlich – wenn alles mit rechten Dingen zugeht – seine dramaturgischen Mängel doch spüren lassen und am Ende deutlich unter den Zahlen des Originals bleiben.

München, 18.2.2013

Roland Zag

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