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Filmbesprechung

Layla Fourie

Buch: Horst Markwart, Pia Marais; Regie: Pia Marais

Schon in seiner Erzähltechnik gibt sich der Film konsequent verschlossen. Wichtige Ereignisse werden willentlich elliptisch ausgelassen und so ins Off verlegt. “Layla Fourie” erfordert also ein aktives, aufmerksames Zuende-Denken und macht es so dem Zuschauer zunächst nicht leicht.

Die Verschlossenheit der filmischen Absicht wird auch von der Protagonistin geteilt. LAYLA (Ranya Campbell) gibt im ersten Interview mit ihrem neuen Chef nicht viel von sich preis – und das bleibt so bis zum Schluss. Dieses enigmatisch-pragmatische Schweigen rückt die Figur weit vom Zuschauer weg. Rein dramaturgisch  ist Layla zudem auch keine sehr aktive Figur. Ihr vorrangiges Interesse besteht darin, ein Geheimnis (nämlich den tödlichen Unfall, in den sie verwickelt wurde) zu verschweigen. Sie will also in erster Linie etwas ganz Bestimmtes NICHT – und dieses Nicht-Wollen zwingt sie in eine erst recht unzugängliche Position. Daher wird man mit Layla als Figur nie so recht warm. Der Mangel an Wärme und Bindung zu anderen Menschen macht sich dann vor allem in der unterkühlten Beziehung zu EUGENE (August Diehl) bemerkbar, vor allem in der Liebesnacht, die emotional nur schwer nachvollziehbar ist und eher einer Art erzählerischen Routine geschuldet scheint. Auch die Drehbuch-Konstruktion des “Zufalls”, dass Layla im großen Südafrika sofort ausgerechnet auf jene Menschen trifft, die den von ihr tot gefahrenen Mann vermissen, tritt deutlich zu Tage.

Nun ist natürlich “Wärme” auch nicht die Qualität, die zur Debatte steht, wenn es um Lügen, Misstrauen, Sicherheitswahn und Paranoia geht. “Layla Fourie” zeichnet ja erkennbar das Bild einer Welt, die sich beständig hinter dem Lügendetektor verschanzen will. Daher leuchtet es zunächst ein, wenn die Menschen dieser Welt nicht aus sich heraus gehen. Dennoch wird eine Figur wie diese Layla Fourie, die nie aus der Deckung kommt, erzählerisch mit der Zeit zum Problem. Zudem fällt auf, wie wenig eigentlich dieses Motiv des Lügendetektors, mit dem Layla umgehen soll, in Erscheinung tritt. Eigentlich hat die Handlung mit dem Lügendetektor gar nicht so viel zu tun. Denn 1. lügt Layla ja nicht direkt, sie sagt nur nicht die Wahrheit (was doch einen gewissen Unterschied macht); und 2. wird sie selbst nie per Lügendetektor untersucht – weshalb die Frage, ob dieses Instrument nun funktioniert oder nicht, und ob man es ethisch vertreten kann, damit zu arbeiten, kaum zur Sprache kommt.

Je mehr man also die dramaturgische Konstruktion untersucht, desto klarer wird, dass die eigentliche Energie anderswo liegt. Denn handlungswirksam wird in erster Linie KANE (Rapule Hendricks). Laylas kleiner Sohn ist die Figur, die am erkennbarsten unter einem moralischen Dilemma leidet. Für Kane geht es darum, die Mutter vor jeder Form von Verfolgung zu retten – daher versucht er, mit allen Mitteln die Wahrheit zu verschleiern. Folgerichtig sabotiert er Layla genau in dem Augenblick, wo sie zu beichten versucht. Hier liegt viel Kraft, und mit Sicherheit ist die Mutter-Kind-Beziehung die stärkste. Unter Umständen hätte es sogar gut getan, den Film komplett aus der Perspektive des Kindes zu erzählen.

Allerdings bleibt auch die Beziehung zwischen Mutter und Sohn nicht allzu intensiv. Laylas rein juristische “Schuld” ist ja, bei Lichte betrachtet, gar nicht so groß. Für den Unfall, in den sie verwickelt wurde, kann sie nicht wirklich etwas. Der stumme Vorwurf jedoch, der ihr von Zuschauerseite beständig gemacht werden kann, ist der, sich nicht genug um ihren Sohn zu kümmern. Auf diesen Vorwurf aber geht sie letztlich nie richtig ein. Entsprechend wird man mit der schlussendlichen Wendung, in der sie Kane in ein Internat abschiebt, nicht richtig glücklich.

Zusammenfassend hat man es bei “Layla Fourie” also mit einem Film zu tun, der mit einiger Konsequenz und Geschlossenheit in eine Welt führt, in der Geheimnisse, Lügen, verstecktes Mißtrauen die Oberhand behalten. Diese Welt zu entdecken ist sicherlich attraktiv. Allerdings kann man das von den Figuren, denen wir begegnen, nur bedingt sagen. Daher wird der Film eher bei Kritikern auf Gegenliebe stoßen als beim großen Publikum am Markt.

München, 9.7.2013

Roland Zag

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