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Filmbesprechung

Mann tut was Mann kann

Buch: Hans Rath, Marc Rothemund; Regie: Marc Rothemund

“Mann tut was Mann kann” wirkt anfänglich wie ein Mosaik von Szenen, deren innerer Zusammenhang sich erst langsam erschließt – denn die übergeordnete Idee, das “WANT”, das den Protagonisten PAUL (Wotan Wilke Möhring) antreibt, fehlt. Insofern lässt sich hier  gut studieren, was passiert, wenn das Drehbuch auf eine äußere Zielsetzung verzichtet. Zunächst entsteht ein eher langsamer, tastend mäandernder Rhythmus. Man kann das kritisieren, denn in der Komödie ist die Langsamkeit grundsätzlich eher nicht förderlich.  Doch eigentlich passt dieses richtungslose Dahin-Treiben ganz gut zur Hauptfigur. Denn das Problem von Paul besteht gerade darin, dass er nicht weiß, was er will. Sein Dilemma liegt in der Diskrepanz von eigentlich geordneten Lebensverhältnissen (guter Job, gute Freunde, unverbindlicher Sex), und dem Gefühl, die Treue zu sich selbst nicht gefunden zu haben und nicht zu wissen,  wohin die Reise seines Lebens gehen soll.

Dieses innere Konfliktfeld erschließt sich erst langsam – sorgt aber auf Umwegen dafür, dass Paul durchaus Sympathien auf sich zieht. Er kann nicht NEIN sagen: weder gegenüber dem wilden Hund, den er Gassi führt, noch zu seinem Freund GÜNTER (Oliver Korittke), der mit unerfüllten Liebeswünschen nervt, noch zum wilden Lover SCHAMSKI (Jan Josef Liefers), der kurzerhand bei ihm einzieht. Hinzu kommt, dass Paul auch der Stieftochter bei ihrem lesbischen Coming Out behilflich ist. Paul will helfen. Er hat ein (zu) großes Herz - selbst für Frauen, die ihn eigentlich nur in ihrem Bett haben wollen, um ihren eigentlichen Liebhaber eifersüchtig zu machen. Pauls Gutmütigkeit sorgt für grundlegend positive Gefühle. Und so ganz allmählich akkumulieren sich dann die einzelnen Episoden doch zu dramatisch bewegten Erzählsträngen, die in sich Fahrt aufnehmen und auch komische Pointen generieren.

‘”Mann tut was Mann kann” bewegt sich also auf einer erkennbaren thematischen Konfliktlinie: hier  das (vor allem erotisch) Unverbindliche – mit dem auch Pauls Freunde zunehmen ein Problem haben, weshalb eigentlich ALLE nach der großen Liebe suchen. Und da ist als Gegenpol die Notwendigkeit, sich wirklich ins Zeug zu legen, wenn man von einer Frau wirklich etwas will. Die Beziehung zur Tierärztin IRIS (Jasmin Gerat) vertritt also das antagonistische Prinzip. Diese Liebesbeziehung ist nicht verbindlich, sie fordert von Paul alles ab. Durch die Liebe zu Iris soll Paul lernen, dass man zu sich stehen muss, wenn man bei attraktiven Frauen weiter kommen will.

Doch diese Beziehung wird im Drehbuch eher zum Problem. Denn gerade die Gravitation durch die angeblich “große Liebe” fällt hier eher schwach aus. So entsteht ein eher mäßig starker Sog zu Iris.  Den dramaturgisch validen Beweis, dass Paul und Iris füreinander bestimmt sind, führt das Drehbuch nicht. Obwohl es hier eine Austauschebene gibt (die Liebe zu Tieren), bleibt unklar, was Paul für Iris so viel attraktiver macht als ihren aktuellen Bräutigam. Es fehlt das szenisch gestaltete Geben und Nehmen, das uns zeigt, wie gut die Chemie zwischen Paul und Iris funktioniert. Hier muss die Regie mit romantischer Musik und bedeutungsvollen Blicken nachhelfen, um eine innere Übereinstimmung zu behaupten, die sich im Drehbuch kaum einlöst (ein Trick, der übrigens sogar noch ein zweites mal bedient wird - aber dadurch den Charakter der Notlösung erst recht offenbart).

Insofern kann “Mann tut was Mann kann” eher auf den Nebenschauplätzen punkten: in Sachen Gemeinschaftsfaktor (Pauls Wohnung wird immer mehr zur Männer-WG), in Sachen multipler und damit komischer Untreue (Schamski und seine Affairen) oder in Sachen Slapstick (die finale Aktion bei Iris’ Hochzeit). Insgesamt sind die Faktoren, die “Mann tut was Mann kann” dann doch zu einer soliden Komödie fürs einschlägige Publikum machen, am Ende sicherlich ausreichend – aber eben auch nicht mehr.

Gerade im naheliegenden Vergleich mit einem Film wie “Männerherzen” kann man auch sehen, was diesem Film (neben der äußeren Bewegung und der Plausibilität der Liebesbeziehung) für den wirklich großen Kinoerfolg vermutlich am meisten  fehlt: der Mut, dramaturgisch dort hin zu gehen, wos weh tut. “Mann tut was Mann kann” beschränkt sich auf die Amplituden nach oben: alles bleibt im grünen Bereich. Nirgends wird echte Not, wirklich Dringliches, echte Fallhöhe spürbar. Damit verfehlt die Komödie dann doch jene Qualität, die die wirklich erfolgreichen Kino-Beispiele des Genres dann regelmäßig aufweisen. Es ist eben gerade der Mut, auch zum Schmerzhaften vorzudringen, der die starke Kino-Komödie von Fernsehware abhebt. Auf dieser Ebene könnte “Mann tut was Mann kann” dann eben am Ende doch nicht ganz überzeugen.

MARKTEINSCHÄTZUNG:

“Mann tut was Mann kann” startet mit einer beliebten Besetzung. Neben Wotan Wilke Möhring, der sich in zahlreichen vergleichbaren Filmen schon als beliebter Star etabliert hat, ist es vor allem der TV-Liebling Jan Josef Liefers, der beim Publikum zieht. Der Name des Regisseurs dürfte beim Publikum zweitrangig sein, aber man darf nicht vergessen, dass Marc Rothemund bereits mehrere recht erfolgreiche Filme abgeliefert hat, also ein “Händchen” für die publikumsaffine Umsetzung bewiesen hat, man also auf eine bestimmte Chemie zwischen Regie und Publikumserwartungen vertrauen darf.

Zudem ist der Film als lupenreine deutsche Beziehungskomödie am Markt derzeit eher konkurrenzlos und wird es (bis zum Start von “Anleitung zum Unglücklichsein”) auch bleiben. Das einschlägige Publikum wird also durchaus ansprechend bedient. “Mann tut was Mann kann” ist mit Sicherheit ein befriedigendes Beispiel seines Genres. Doch gerade die oben genannten Einschränkungen dürften verhindern, dass der Film in die Nähe von Millionenerfolgen wie etwa “Männerherzen” kommt. Wir sehen den Markterfolg gerade im Vergleich mit den einschlägigen Vergleichsfilmen eher bei  bei Werten um die 600 – 700.000 Zuschauer.

Dramaturgie-und Markteinschätzung: Roland Zag

München, 12.10.2012

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