aktuelle

Filmbesprechung

Otto's Eleven

Buch: Otto Waalkes, Bernd Eilert, Sven Unterwaldt
Regie: Sven Unterwaldt


Die Arbeit an filmischen Parodien und Comedys, die dann am Markt Millionen Menschen erreichen und unterhalten sollen, ist ein todernstes Geschäft. Am “Schuh des Manitu”, dem sensationellsten Erfolg der vergangenen 10 Jahre, lässt sich gut studieren, dass im Untergrund der Parodie stets das handfeste Drama erkennbar bleiben muss. In Bully Herbigs Film waren die Protagonisten auf Leben und Tod fiesen Bösewichtern ausgeliefert; zudem wurde ein ganzer Indianerstamm Opfer eines gemeinen Betrugs. Damit war die soziale Relevanz eindeutig gegeben. Auch wenn selbstverständlich das Drama immer wieder durch ironische und komische Brechungen aufgelöst wurde, blieb es doch in seiner emotionalen Kraft erkennbar wirksam.

Auch in “Sieben Zwerge”, mit dem Otto Waalkes samt seinem Team den letzten Triumph feiern konnte, war durch die Märchenstruktur ein großes Unrecht, schwere Benachteiligung und erhebliche soziale Relevanz garantiert: immerhin galt es, Schneewittchen gegen die tödlichen Nachstellungen der bösen Schwiegermutter zu verteidigen.

Dergleichen hat “Otto’s Eleven” eindeutig nicht aufzuweisen. Der Diebstahl eines Bildes, das kein Mensch kennt und auch nicht besonders einzigartig wirkt, ist als auslösender Moment für ein abendfüllendes Drama  eher schwach. Selbst wenn versucht wurde, das entwendete Gemälde sozial aufzuladen (es ist angeblich ein altes Erbstück, an dem Otto sehr hängt) – mehr als ein Lippenbekenntnis wird daraus nicht. Wirklich nahe geht uns dieser Diebstahl nicht. Dadurch ist der Sog der Handlung wenig spürbar, Benachteiligung kaum erkennbar, echte Schuld und echtes Unrecht stehen nur marginal zur Diskussion. ”Otto’s Eleven” tritt lange Zeit auf der Stelle und bewegt sich in der ersten Hälfte nur in recht ausgedachten Plot-Konstruktionen vorwärts. Ein echter Publikumswunsch nach dem Auffinden des Bildes und Bestrafung der Diebe will sich nicht recht einstellen.

Damit hat der Film zu kämpfen – auch wenn sonst vieles erfolgsträchtig aussieht. Die Gemeinschaft der fünf Inselbewohner erzeugt sicherlich eine gewisse Dynamik, und dass es dabei gegen Ende zu einem größeren Zuwachs kommt, ist positiv zu bewerten. Das Geben und Nehmen der Beteiligten wird ab dem Moment, wo endlich ein klares Ziel vorgegeben ist (Harry Hirsch, der Star-Reporter, schaltet sich ein – das kommt aber erst recht spät!), durchaus erkennbar. Denn jetzt liegt endlich ein Projekt vor, an dem alle gemeinsam arbeiten.

Dennoch: auch in den erotischen Paarungen herrscht eher Beliebigkeit vor. Nur der bayerische Computer-Nerd findet in seiner Partnerin einen Charakter, der erkennbar zu ihm passt. Die anderen Liebesbeziehungen dagegen sind Behauptungen ohne emotionale Qualität. Selbst unter den Bösewichtern sind keine starken, leidenschaftlichen Bindungen zu erkennen.

Damit sind eine Menge Handicaps mit im Spiel, die sich untergründig sicherlich auswirken werden.

Nun wird man natürlich sagen, darauf komme es bei diesem Genre nicht an, es gehe ja doch nur um die Qualität der einzelnen Sketche, die Stars und komischen Einlagen. Doch das dürfte sich als Irrtum herausstellen. Egal wie man das komische Gesamtniveau von “Otto’s Eleven” einstufen mag – die mitreißende Kraft, die “Der Schuh des Manitu” oder “Sieben Zwerge” aufzuweisen hatten, fehlt dem Film. Und das dürfte sich am Markt niederschlagen. Ergebnisse wie die der oben genannten Filme sind daher außer der Reichweite.

Dramaturgische Einschätzung: Roland Zag

Markteinschätzung:

Das erste Warnzeichen wurde der Kinofilmreihe mit Otto im Titel vor zehn Jahren gesetzt: nur noch knapp über 1 Million wollten damals „Otto – Der Katastrofenfilm“ sehen. Davor war es es bei den ersten vier Otto-Kinofilmen in den 90er-Jahren von mehr als 8 Mio. über mehr als 6 Mio. und mehr als 4 Mio. auf nur noch knapp 3 Mio. runter gegangen. Es ist deshalb als cleverer Schachzug zu bewerten, die „Sieben Zwerge“-Komödien nicht mehr als Otto-Film im Titel zu vermarkten: fast 7 Mio. und 3,5 Mio. Besucher waren der erfolgreiche Lohn.

Das Wagnis, es beim neuesten Streich doch noch mal mit ihm als Titelhelden zu versuchen, ist insofern eher skeptisch zu betrachten. Angesichts etlicher unterhaltsamer Szenen, aber einer sehr geringen Relevanz und eher schematischen emotionalen Qualitäten ohne entscheidende Sogwirkung stellt sich vor allem die Frage, ob das jüngere Publikum – also quasi die Otto-Anfänger – mitziehen werden. Sie werden zwar durch einige aktuelle TV-Stars bedient – aber reicht das? Bei vielen mittleren und älteren Zuschauern dagegen sollte die Nachfrage noch ausreichend vorhanden sein, um über die Million zu kommen und damit Zahlen wie der Otto-Film vor zehn Jahren zu erreichen. Aber die Obergrenze könnte schon bei 1,5 Mio., spätestens aber bei den 1,78 Mio. Zuschauern von der ebenfalls unrelevanten deutschen Komödie mit Winterstart „1 ½ Ritter“ erreicht sein.

Markteinschätzung: Norbert Maass

Berlin/München 04.12.2010

Bildunterschrift