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Filmbesprechung

Snowman's land

Buch und Regie: Tomasz Thomson

Für die schwarze Komödie eignet sich der Profikiller ideal. Der Zusammenprall zwischen einem gnadenlos brutalen Handwerk auf der einen und dem banalen, bieder-spießigen Alltagsdasein bietet genügend Culture Clash, genügend Schein-und-Sein für jenes berühmte Lachen, das im Halse stecken bleiben soll.

In “Snowman’s Land” ist es der abgehalfterte, total passive Profikiller WALTER (Jürgen Rißmann), der sich im europäischen Osten Erholung und von BERGER (Reiner Schöne) einen neuen Job verspricht. Dabei trifft er auf MICKY (Thomas Wodianka), der das Gegenteil repräsentiert: geschwätzig, naiv, quirlig. Der Gegensatz ist ergiebig. Und doch: irgendwoher muss die Spannung kommen. Das Unrecht. Die Bedrohung. Kurzum: es ist Dramaturgie gefragt.

Lange Zeit ist davon nicht viel zu spüren. In diesen Phasen zeigt sich wieder einmal, wie gefährlich es ist, Leute zu zeigen, die sich langweilen. Die richtungslose Stimmung überträgt sich allzu schnell auf die Zuschauer. Wirklich in Fahrt kommt die Geschichte erst, als SIBYLLE (Eva-Katrin Hermann) auftritt, Bergers Geliebte. Ihr Flirt mit Micky beinhaltet eine echte, ernste Bedrohung: der finstere Berger wird nicht amüsiert sein, sobald er von dieser Affaire Wind bekommt.

Doch kaum kommt die Geschichte in Fahrt, endet sie auch schon wieder: Sibylle erschießt sich beim Liebesakt (!) selbst. Damit steht zwar noch die Frage im Raum, wann Berger dies erfährt, und wie er sich rächen wird. Doch zwischenmenschlich ist der Ofen aus.

So kommt es, dass “Snowmans Land” nach einem kurzen und frühen Höhepunkt allmählich immer mehr an Fahrt verliert. Walter erweist sich als passiver Held, den man buchstäblich vergisst, obwohl er fast immer im Bild ist. Berger hingegen hat als Gangsterboss starke Momente – aber die Handlung keine Richtung. Irgendwann übernimmt KAZIK (Walera Kanischtscheff) das Kommando, doch er ist sozial gesehen erst recht ein leeres Blatt. Als dann auch noch Micky stirbt, verliert sich alles ins Unverbindliche. Der Hauptfigur, und damit der Handlung, fehlt jegliche Dynamik, und damit die Anteilnahme des Publikums.

All dies lässt bereits auf Drehbuchebene erkennen, dass “Snowman’s Land” möglicherweise fürs Zielpublikum punktuell seine Reize, aber letztlich doch kaum Marktchancen hat. Kein Schauspieler, kein Kameramann, kein Regisseur kann gegen eine nicht vorhandene Dramaturgie anarbeiten. Ein Film ohne stimmigen, alles überwölbenden Spannungsbogen ist im Kino nicht abendfüllend. Man mag kaum an das große Vorbild “Pulp Fiction” erinnern, um zu erkennen, wie gewaltig der zwischenmenschliche Unterschied zwischen beiden Filmen ist.

Insofern erübrigt sich auch die Markteinschätzung, denn “Snowman’s Land” kann sich nur alleruntersten Segment der möglichen Auswertung bewegen.

Dramaturgische Einschätzung: Roland Zag

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