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Filmbesprechung

Stromberg - Der Film

Buch: Ralf Husmann; Regie: Arne Feldhusen

Die Figur des BERND STROMBERG (Christoph Maria Herbst) gilt allgemein als Paradebeispiel für ‘Negative Hauptfiguren’. Zunächst ist das nicht überraschend: die Figur ist primär dazu erfunden worden, ein Fremdschämen auf möglichst breiter Front zu ermöglichen. Stromberg ist übergriffig, peinlich, rassistisch usw. Seine zentrale Problematik liegt in der Diskrepanz zwischen Selbst-und Fremdwahrnehmung. Indem wir alle vor dieser beschämenden Problematik Angst haben, liegt hier auch die universelle Attraktivität der Figur: Stromberg tritt stellvertretend in all die Fettnäpfchen, vor denen wir Zuschauer selbst Angst haben. Darin liegt die kathartische Wirkung der Auseinandersetzung mit der Figur.

Doch ganz so einfach ist es nicht. In Stromberg liegen auch tiefere Schichten, die es zulassen, mit ihm empathisch mit zu fühlen. Da ist zum einen sein Gemeinschaftsgefühl. Denn er selbst gibt ja zu, dass er ohne sein Büro nicht denkbar wäre: er verausgabt sich komplett für seine Arbeit und seine Mitarbeiter, gleichgültig wie schräg die Resultate sein mögen. Sein Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist also enorm.  er will eben genau der ‘Papa’ sein, der hier so oft zitiert wird – und auf eine bestimmte Art und Weise spielt er diese Rolle gar nicht schlecht. Zum andern aber hat er nicht ganz Unrecht, wenn er sich als Kämpfer stilisiert: er gibt tatsächlich nie auf.

Dieser beider Qualitäten bedient sich der jetzt vorliegende abendfüllende Kinofilm. Denn während die Dramaturgie auch hier, wie gewohnt, lange Zeit auf der bekanntlich eher destruktiven  Negativ-Schiene der TV-Serie beharrt (Stromberg fährt nur aus egoistischen Motiven auf das Firmenjubiläum, er kämpft ausschließlich GEGEN, nicht für Mitarbeiter, er benimmt sich daneben, und seine Mitstreiter genauso), muss  der abendfüllende Film doch Möglichkeiten finden, die Figur zu wandeln. Und genau das gelingt auch.

Die Schlüsselszene bildet jener Moment, wo Stromberg auf einer dekadenten Orgie der Führungskräfte einsieht, dass hier etwas schief läuft. Und dieses Umdenken scheint sich allein seinen Gefühlen für JENNIFER (Milena Dreißig) zu verdanken. Es ist Strombergs Loyalität für die Frau an seiner Seite, die ihn in diesem Augenblick dazu bewegt, auf das Angebot auf käufliche Liebe zu verzichten. Es ist dies der (allerdings leider fast einzige) Moment, wo wirkliche Bindungskräfte spürbar werden. Danach wirkt er  wie verwandelt – freilich, Egoist, der er ist, eben auch erst in dem Augenblick, wo er die Kündigung erhält, also selbst betroffen ist.  Nun werden die oben genannten positiven Kräfte in Stromberg aktiviert: er wandelt sich zum politischen Aktivisten und Ankläger, dessen Protestbewegung im Film eine Menge Gemeinschaftsgefühl und Dynamik, aber auch Treue zu sich selbst auslöst.

In dieser Wandlung schafft der Film so etwas wie die Quadratur des Kreises: nämlich die Veränderung einer Figur, die bisher stets statisch bleiben musste; und das, ohne die Befindlichkeit des Charakters willkürlich umzubiegen. Indem dies gelungen ist, dürfte das große (allerdings auch klar eingegrenzte) Zielpublikum Befriedigung finden: einerseits bekommt man die Figur über lange Zeit des Films mit den bekannten und geschätzten Macken zu sehen; andererseits entsteht im Film eine wirklich geschlossene Erzählform, ohne dass der Charakter verraten würde.

Gleichwohl gibt es Phasen, in denen die Dramaturgie nicht wirklich klar fokussiert wirkt: die eigentlichen Absichten und Ziele vieler Figuren werden vielfach nicht wirklich klar, sondern eher beiläufig erzählt, und leider bleibt eben der positive Effekt, der sich kurzzeitig in der Beziehung zu Jennifer manifestiert, nur eine Episode. Insofern bleibt “Stromberg – Der Film” zwar für das Zielpublikum attraktiv, dürfte es aber kaum schaffen, jenseits der notorischen Fans auf große weitere Verbreitung zu stoßen. Im Grunde hat der Film das auch gar nicht nötig: solange ihm die Fans treu bleiben, ist er auf der sicheren Seite. Alles spricht dafür, dass diese Rechnung aufgeht.

München, 21.2.2014

Roland Zag

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