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Filmbesprechung

Und Äktschn!

Buch: Gerhard Polt, Frederick Baker; Regie: Frederick Baker

Das Thema des unbedarften Dilettanten zieht sich in Werken von Jacques Tati, Woody Allen, Loriot oder den Coen-Brothers als tragikomische Spur durch die Filmgeschichte. Es entstanden z.T. großartige Filme auf Grundlage einer Figur, deren Wollen größer ist als ihr Vermögen. In all diesen gelungenen Beispielen allerdings galt stets ein ehernes Gesetz: die Hauptfigur darf dilettantisch sein – der Film nicht. Denn das Gegenteil von ‘Gut’ ist laut Karl Kraus ‘Gut gemeint’.

In “Und Äktschn!” kommt die rührend unbeholfene Art des HANS POSPIECH (Gerhard Polt) vor allem am Ende zu ihrem Recht – dann nämlich, als es ihm gelungen ist, seine Umwelt von seinen bizarren Filmideen zu überzeugen, und die heillos aus dem Ruder laufenden Dreharbeiten schon fast Screwball-Qualitäten annehmen. In diesen finalen Szenen fließen Gemeinschaftsgefühl, Enthusiasmus und Konflikt dramaturgisch geschlossen in einander. Durch die ungebrochene Loyalität des Neffen ALFONS (Maximilian Brückner) wird diese Komik wirksam unterstützt.

Bis dahin allerdings muss sich der Zuschauer an einer Menge von Fragen abarbeiten. Die wichtigste und problematischste hat (natürlich) damit zu tun, dass ausgerechnet Adolf Hitler der Gegenstand von Pospiechs filmischer Leidenschaft wird. Warum?! Einen Auslöser für diese seltsame Grille des leidenschaftlichen Amateurfilmers findet man eigentlich nicht. Pospiech wirkt weder wie ein Neo-Nazi noch wie ein hoch gebildeter Aufklärer, der dem Hitler-Bild Wesentliches hinzu zu fügen vermöchte. Er repräsentiert auch keinen braunen Sumpf. Ihm scheint das Thema einfach ‘irgendwie’ eingefallen zu sein. Dazu steht dann aber die obsessive Beharrlichkeit, mit der er sein Vorhaben voran treibt, im Widerspruch.  Gerade im Zusammenhang mit diesem extrem heiklen Thema geht der Figur Pospiech die HALTUNG ab. Der Zuschauer bleibt in Habacht-Stellung außen vor, weil er nie weiß, in welchen möglichen Abgrund er  da mit hinein gezogen werden könnte.  Ob man hier historisch-kritisch einen Mehrwert erfährt, indem man Pospiechs dilettantische Inszenierungen einer dilettantischen Filmidee mit verfolgt, darf doch in Frage gestellt werden.

Frag-würdig allerdings auch die Rolle eines Sparkassendirektors FALTERMEIER (Michael Ostrowski), der offenbar einen indirekten Unterstützungs-Fond für jemanden auflegt, mit dem er gar keine Beziehung hat. Ungeklärt auch, was eigentlich der ‘Profi’-Cineast NAGY (Nikolaus Paryla) in dem Film zu suchen hat – wo doch seine Entwicklung nie zu einem erkennbaren und mit Pospiech verbundenen Ende führt. Undeutlich überdies, wie die Beziehungen von Pospiech zu den meisten seiner anderen Mitspielern zu verstehen sind.

So muss man am Ende leider sagen, dass  eben genau die Grenzziehung zwischen der amateurhaften Hauptfigur und der professionellen Gestaltung des Films nicht, wie oben gefordert klar ist. Bisweilen kommt der Verdacht auf, Pospiech könnte selbst am Drehbuch mitgeschrieben haben. Und dies dürfte die Erfolgschancen des Films, der dem großen Kabarettisten eigentlich zu einem letzten ruhmreichen Auftritt hätte führen können und sollen, doch leider entscheidend schmälern.

München, 5.2.2014

Roland Zag

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