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Filmbesprechung

Vorstadtkrokodile 3: Operation "Alter Krass"

Buch: Christian Ditter, Thomas Bahmann, Ralf Hertwig, Peter Thorwarth; Regie: Wolfgang Groos

Die Prämisse der Story liefert ‘human factor’ pur. Als nach einem zu waghalsigen Gokart-Rennen FRANK (David Hürten) schwer verletzt wird und eine Spenderniere braucht, setzen seine Freunde alle Hebel in Bewegung, um seinen im Knast sitzenden Bruder herauszuholen. Der Bruder DENNIS (Jakob Matschenz) ist der einzige, der Frank mit einer Organspende das Leben retten kann. Doch der selbstherrliche und böswillige Gefängnisleiter (Horst Lichter) will die Auslieferung verhindern.

Die Voraussetzungen stimmen. Natürlich ist die soziale Relevanz sehr groß, denn ein Menschenleben steht auf dem Spiel. Und im Laufe des Films wird ein gewaltiges Räderwerk des Miteinanders angeworfen, die Kooperation klappt so grandios wie sonst nur in Filmen wie “Oceans Eleven”, “Mission Impossible” oder Ähnlichem.

Insofern kann eigentlich nichts mehr passieren, denn grundsätzlich sind die Voraussetzungen sehr gut. Oder doch?

Man kann in “Vorstadtkrokodile 3? sicher keine offensichtlichen emotionalen “Fehler” oder Unstimmigkeiten entdecken. Dennoch beschränkt sich der Ablauf des Films, nachdem einmal sehr früh die Maschinerie in Gang gesetzt wurde, auf eine Art Abarbeiten des rein actionlastigen Plans. Alles läuft wie am Schnürchen. Doch die wirklich emotionalen, zwischenmenschlichen Szenen bleiben dabei zunehmend auf der Strecke. Hannes’  (Nick Romeo Reimann) Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld (er hat es ja so weit getrieben, dass Frank den Unfall erlitten hat) bleibt blass. Es fällt nicht weiter ins Gewicht, dass Frank und sein Bruder eigentlich heillos zerstritten sind – auf diese durchaus brisante zwischenmenschliche Konstellation geht der Film nicht ein. Der Alkoholismus des Vaters ist völlig ausgeblendet, und die kleinen Eifersüchteleien zwischen Hannes und JENNY (Ella-Maria Gollner) gehen keineswegs tief. Der einzige Antagonist ist der trottelige Gefängnischef, den man schwer ernst nehmen kann.

Man könnte einwenden, dass Kinder als Zuschauer keine allzu großen Konflikte, und schon gar keine erwachsenen, wollen. Das wäre aber ein Trugschluss. Zumindest “Vorstadtkrokodile 1? zeigte ungleich mehr echte menschliche Schwierigkeiten. Dafür wog deren Bewältigung umso mehr. Die Integration des behinderten KAI (Fabian Halbig) in den Freundeskreis forderte eine beständige Auseinandersetzung mit brisanten Themen. Zugleich musste ein sozial sehr relevantes Unrecht aus der Welt geschafft werden. “Vorstadtkrokodile 3 ” geht dahingegen von einer recht unwahrscheinlichen Prämisse aus, und das dürfte auch Kindern nicht verborgen bleiben.

Insofern ist der vorliegende Film ein befriedigener, aber kein herausragender Abschluss der Reihe.

MARKTCHANCEN:

Das eigentliche Problem, das sich dem Film stellen dürfte, liegt im Zielpublikum. In der Regel werden die Kinder, die den Film sehen wollen, jünger sein als die Protagonisten selbst. Die erotischen Verstrickungen dürften daher vielfach am Publikum vorbeizielen. Jungs und Mädchen im pubertierenden Alter dürften an “Vorstadtkrokodile 3? weniger Interesse haben. Sie wollen bereits “härtere” Filme.

Nachdem der Film aus sich selbst heraus keine herausragenden Attraktionen mehr zu bieten hat, werden die Werte der ersten beiden Filme auf keinen Fall erreicht werden können. Viel eher ist mit einer Halbierung zu rechnen. Nachdem sowohl Teil 1 als auch Teil 2 bei Zahlen um die 700.000 stehen geblieben sind (der erste Teil lief geringfügig besser), kann man für Teil 3 Werte zwischen 350.000 und 400.000 als realistisch erachten.

München, 24.1.2011

Roland Zag

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