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Filmbesprechung

What a Man

Buch: Doron Wisotzky und Matthias Schweighöfer
Regie: Matthias Schweighöfer


Die deutsche Beziehungskomödie hat durch Anika Decker und Til Schweiger (auch durch “Männerherzen”) wieder einen gehörigen Aufschwung erfahren. Matthias Schweighöfer, der in „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ selbst mitspielte, knüpft daran mit seinem Regie-Debüt an. Die Frage, welche Form von Männlichkeit gefragt ist, um bei den Frauen sein Glück zu finden, ist auch hier beherrschend. Vieles scheint stilistisch direkt den Til-Schweiger-Filmen entliehen, was den direkten Vergleich herausfordert.

Allerdings stellt “What a Man” auch einen großen Kontrast her. ALEX ist nicht der promiskuitive Winner à la Schweiger, der alle Frauen flachlegt, sondern im Gegenteil zu weich und nachgiebig, sodass er seine zickige Freundin KARO (Mavie Hörbiger) an den Macho JENS (Thomas Kretschmann) verliert. Damit ist die pikante Polarität des Films deutlich gesetzt: vergeblich versucht die Schweighöfer-Figur, ein Schweiger-Imitat zu werden. Es geht gewissermaßen darum, aus dem Schatten des Vorbilds zu treten, indem Schweighöfer sich selbst treu bleibt. Damit spiegelt sich die Dynamik der beiden Stars in der Handlung des Films.

Zunächst jedoch sieht es so aus, als wolle Alex auf Teufel komm raus zum Klischee werden. Nach der Trennung von Karo entsteht der Wunsch, ein “Stier” zu sein, der “alle vögelt”. Als Mentor dient ihm dabei der beste Freund OKKE (Elyas M’Barek). Auch wenn das Unterfangen absehbar scheitert, wird dadurch doch ein gewisser Schwung und teils leichte, teils drastische Unterhaltsamkeit erzeugt.

An diesem Punkt kommt die Gegenwelt ins Spiel. Denn auch in NELE (Sibel Kekilli) hat Alex eine Mentorin mit starker ideeller Bindung. Sie aber fordert nun ganz andere Qualitäten: sie findet Alex schon seit Kindheit gut, so wie er ist. Sie wünscht sich von ihm lediglich den Mut, sich zu seinem So-Sein zu bekennen.

Die Beziehung zu Nele ist zweifellos von menschlicher Wärme bestimmt. Die beiden kennen und mögen sich seit Langem, wenn auch eine gewisse Einseitigkeit vorliegt. Die Loyalität ist ungebrochen – selbst dann, als Nele ihn mit ihrer lustbetonten Freundin LAURA (Nora Jokhosha) verkuppeln will.

“What a Man” bewegt sich also in einem sehr relevanten Spannungsfeld: ist es wichtiger, angesagten Klischee-Bildern zu entsprechen (”männlich” zu sein) – oder sich zu dem zu bekennen, wie man wirklich ist? Wird Alex glücklicher, wenn er “alle vögelt”, oder reicht nicht eine einzige, aber stimmige Beziehung? Indem der Film hier auf die Treue zu sich selbst setzt, ist er auf der sicheren Seite. Alex’ öffentliches Bekenntnis zu Nele vor einem Heer von als Pandabären verkleideten Tierschützern darf hier ebenso als Highlight gesehen werden wie die abschließende Szene im Flugzeug, in der er sich erstmals zu seinen Gefühlen bekennt.

Ein zusätzlicher ‘human factor’ ist darin zu sehen, dass der Film mit großer Selbstverständlichkeit deutsche und türkische Kultur vermischt. Für Alex macht es keinen Unterschied, ob er von Deutschen oder Türken beraten wird. Diese Form gelebter Integration dürfte dem Film helfen.

Einschränkend wäre allerdings zu sagen, dass Alex sich nicht allzu sehr für Neles ideelle Bindung interessiert. Ein echter Austausch zwischen dem Liebespaar findet kaum statt, weshalb der Publikumswunsch nach Verbindung der beiden nicht hoch bewertet werden darf. Neles Begeisterung für Alex scheint eher von einer Art mütterlich-absoluter Liebe bestimmt. Ob sie als künftige Partnerin die Idealbesetzung ist, mag offen bleiben.

Eine starke antagonistische Kraft ist hier auch nicht erkennbar. Der direkte Konflikt mit ETIENNE (Pasquale Aleardi), seinem Widersacher, bleibt aus. Insgesamt fällt es Alex doch eher leicht, Neles Angebot anzunehmen, weshalb der Preis für seine Entscheidung nicht hoch ist (zumal die Bindung an die Ex-Freundin keine Rolle mehr spielt). Zwar gibt es hier die genretypischen Verwechslungen und Mißverständnisse – doch eigentlich hängt Nele wie ein reifer Apfel am Baum. Hier hat “What a man” gerade im Vergleich mit “Keinohrhasen” Schwächen: dort hatte sich Til Schweiger vorbehaltlos zum Beruf des Kindergärtners bekennen müssen, um seine Geliebte für sich zu gewinnen. Schweighöfer aber gibt für Nele nicht so viel auf.

Alles, was er ihr opfert, ist seine von Kindheit an bestimmende Flugangst. Diese Ebene wird effektvoll inszeniert. Doch die Frage, was die beiden in China dann eigentlich vorhaben, bleibt unklar – Neles Begeisterung für Umweltthemen wird von Alex nicht geteilt. Durch die überstürzte Abreise bleibt auch Alex’ prinzipiell starke Bindung an die KINDER, denen er sich als Lehrer verpflichtet fühlt, auf der Strecke.

Man wird also “What a Man” nicht absprechen können, dass ein prinzipiell stimmiger, menschlich überzeugender Weg eingeschlagen wurde. In vielen Einzelheiten jedoch bleibt die Ausgestaltung uneinheitlich und hinter den Möglichkeiten zurück.

Dramaturgische Einschätzung: Norbert Maass, Roland Zag

Markteinschätzung:

Der Erfolg von “Zweiohrküken” oder auch “Männerherzen” u.a. zeigt, dass prinzipiell ein anhaltend sehr starkes Interesse an der Romantic Comedy deutscher Herkunft besteht. Hier sind Millionenerfolge keine Seltenheit. Die Liebhaber dieses Genres mussten allerdings seit “Kokowäh” lange warten. Da “Resturlaub” aus Mangel an ‘human factor’ nicht wirklich zu überzeugen vermag, stehen die Aussichten am Markt im Augenblick nicht schlecht.

Die Strahlkraft von Matthias Schweighöfer ist vermutlich  niedriger als die von Til Schweiger, wenn auch vor allem beim jüngeren weiblichen Publikum eine zunehmende Attraktivität festzustellen ist. Immerhin war sein jüngster Film „Friendship“ mit 1.598.000 Zuschauern der erfolgreichste deutsche Film im vergangenen Jahr.

Insgesamt darf man “What a Man” aufgrund der prinzipiellen emotionalen Stimmigkeit daher höher einschätzen als “Resturlaub”. Aber voll überzeugend ist der stilistisch uneinheitliche Film vermutlich nicht. Auch wenn viele Zutaten aus  dem Til Schweiger-Kochbuch stammen mögen, dürfte „What a Man“ daher deutlich hinter „Keinohrhasen“ (6.284.000), „Zweiohrküken“ (4.256.000) und „Kokowääh“ (4.290.000) zurück bleiben. Dazu trägt sicherlich auch der ungünstigere Starttermin im Sommer bei.

Von der weiteren Besetzung geht eine nur leicht verstärkende Wirkung aus: für die populäre Sibel Kekilli ist es das Debüt in einer romantischen Komödie, während die anderen ihre Bekanntheit in erster Linie beliebten Fernsehrollen verdanken. Nach einem guten Start erwarten wir so gesehen keine lange Laufzeit, einen überdurchschnittlichen Rückgang und ein knappes Scheitern an der Millionengrenze. Zwischen 850.000 und 950.000 Zuschauer sollten sich schließlich aber für „What a Man“ entscheiden.

Markteinschätzung: Norbert Maass

(ABWEICHENDE EINSCHÄTZUNG:

Roland Zag hält höhere Werte für möglich und wahrscheinlich. Angesichts der Marktlage dürften Zahlen in Höhe von “Friendship”, also um die 1,5 Millionen, durchaus erreichbar sein).

Berlin, München 29.8.2011

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