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Filmbesprechung

HOW TO BE SINGLE
 

Buch: Dana Fox, Abby Kohn, Marc Silverstein nach dem Roman von Liz Tuccillo;

Regie: Christian Ditter
 

Nach wie vor bleibt die Romantic Comedy des aktuellen Hollywood-Kinos meist im traditionellen Fahrwasser. „How to be Single“ ist ein zwar komplexes, aber doch am konventionellen Schema orientiertes Produkt, welches dem Zuschauer zwar ein relativ großes Figurengeflecht zumutet, aber hinsichtlich der emotionalen Erfahrungen relativ vorhersehbar bleibt. 

Umso ergiebiger ist es, an diesem Beispiel die gelungene Umsetzung von ein paar grundlegenden Gesetzen des Genres zu studieren. 
 

Zunächst spielt die Trennschärfe der vier Zielsetzungen bzw. ‚Wants‘ eine große Rolle: 

 

ALICE (Dakota Johnson) will den Status des Single-Seins erproben, nachdem sie ihr Leben lang immer nur in Beziehungen gelebt hat;

ROBIN (Rebel Wilson) will von festen Beziehungen überhaupt nichts wissen; 

MEG (Leslie Mann), Alices Schwester, will zwar ein Kind, aber nicht von einem festen Partner (weshalb sie sich für die Samenspende  entscheidet)

LUCY (Alison Brie) sucht auf digitalem Weg nach dem perfekten Partner. 

Natürlich wird in jedem dieser vier Fälle das ‚Want‘ der Hauptfigur durch störende Faktoren in Frage gestellt. Erst unter dem Druck dieser (meist durch Männer hervorgerufenen) Hindernisse wird sich die Belastbarkeit der jeweiligen Ziele und Ambitionen unter Beweis stellen. 

Auch hier hat „How to be Single“ ein trennscharfes Ensemble von Charakteren aufzuweisen, die für die emotionalen Bedürfnisse der Hauptfiguren in Frage kommen: 

  • den krampfhaft an unverbindlichem Sex interessierten TOM (Anders Holm)
  • den allein erziehenden und vom Schmerz über die verstorbene Frau erfüllte DAVID (Damon Wayans JR.)
  • Alice’s Ex-Lover JOSH (Nicholas Braun) 
  • Meg’s jugendlicher Liebhaber KEN (Jake Lacy) 

Genretypischer Weise wird nun bei den vier Protagonistinnen das ‚Want‘ entweder gar nicht, oder auf anderem Weg als erwartet erreicht. Am Ende ist die WANDLUNG der Figuren die entscheidende Größe. 

Vor diesem Hintergrund ist klar, dass ALICE die Hauptfigur des Films sein muss - denn ihr Wandlungspotenzial ist am größten. Sie lässt sich erst in die Freuden des unverbindlichen Sex einführen; dann jedoch verfällt sie zunehmend der Versuchung, sich wieder mit ihrem Ex-Lover Josh zu verbinden. Doch gerade diese Versuchung erweist sich als Trugschluss, der geradewegs zum emotionalen Tiefpunkt des Ganzen führt: denn mit einer neuen Verbindung zu Josh würde Alice ihre ganze erworbene Selbständigkeit ad absurdum führen. Alice bringt erst im dritten Akt die Essenz des ‚Single-Seins‘ auf den Punkt, indem sie die Notwendigkeit erfährt, wirklich zu sich selbst zu finden, ehe man sich auf jemand anderen einlässt. 

Verglichen damit sind die Wandlungen der übrigen Figuren marginal: Lucy findet zwar den Mann ihres Lebens, aber eben nicht über die Algorithmen einer Suchmaschine; die auf Selbständigkeit abonnierte Meg gebiert ihr Kind, kann aber nicht leugnen, dass ihr die emotionale Nähe zu Ken ganz gut gefällt; und Robin bleibt ganz einfach, wie sie ist. 

Den eigentlichen ‚human factor‘ dieser ansonsten recht absehbaren Geschichte bilden die Momente, in denen die Frauen lernen, zu einander freundschaftlich zu stehen. Hier steht der Konflikt zwischen Alice und Robin im Vordergrund, die sich gegenseitig bittere, aber dringend nötige Wahrheiten an den Kopf werfen. Durch diese heftigen Konflikte erst findet insbesondere Alice die Kraft, sich am Ende ganz allein auf den Weg in den Grand Canyon zu begeben. 

Zweifellos findet „How to be Single“ in diesem Schlussbild zur größten emotionalen Wirkung. Denn diese Wanderung durch die Natur bietet gerade im Kontrast zur Großstadtwelt nicht nur ein überwältigendes sinnliches Erlebnis, sondern die Einlösung eines Lebenstraums. Die Hauptfigur löst sich erstmals aus dem Gestrüpp der sozialen Verpflichtungen und findet auf einer tieferen, existenzielleren Ebene zu dem Punkt, wo sie sich erstmals ganz selbst in ihrer Vergänglichkeit spürt. Es ist im Leben sicherlich nötig, sich mit sozialen Themen auseinander zu setzen. Leben aber muss man es allein. Das Schlussbild bringt das fulminant zum Ausdruck. 

Es ist wohl diese Schlusspointe, die „How to Be Single“ aus den Niederungen x-beliebiger Romantic Comedys heraus hebt. In den letzten Bildern findet der Film zu einer Wucht, die hängen bleibt und die eher absehbare Frage ‚wer kriegt hier wen‘? an Relevanz transzendiert.

Von daher hat „How to Be Single“  gute Voraussetzungen für große Wirkung: der Film folgt einerseits einem doch recht konventionellen Fluss von Höhe-und Tiefpunkten, gelangt aber am Ende zu einem Moment der Transzendenz, ansonsten dem das Mit-Sich-Allein-Sein und das In-Beziehung-Leben verschmelzen. Der Erfolg beim Zielpublikum scheint vorprogrammiert. Und die gut geölte Mechanik des genretypischen Erzählens bestätigt. 


München, 28.4.2016

Roland Zag

How to be Single

Quelle: MGM