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Filmbesprechung

TRUMBO

Buch: John McNamara, Bruce Cook; Regie: Jay Roach

Ab und zu tut es gut, zu beobachten, dass auch die sonst so oft gut geölte Hollywood-Drehbuchschule bestimmte Themen nicht wirklich befriedigend in den Griff bekommen kann. "Trumbo" ist der Fall eines gut besetzten und großartig umgesetzten Biopics, welches mit unterschiedlichen Themenstellungen und dramaturgischen Fragen zu kämpfen hat.

Über längere Zeit steht zunächst die Rolle der Kommunisten im Hollywood der 40er-Jahre des letzten Jahrhunderts im Raum. Diese Frage hat mit gesellschaftlicher Relevanz, mit Solidarität und Zusammenhalt zu tun. Die ideelle Bindung der Figuren ist stark, und die Benachteiligung erst recht: die Untersuchungen, denen sich DALTON  (Bryan Cranston) ausgesetzt fühlt, sind illegal und in ihrer einseitig dämonisierenden Art und Weise jeder Demokratie unwürdig. Indem Trumbo das so formuliert und auch vor großen Tieren (z.B. John Wayne) nicht zurück schreckt, gewinnt er unsere Empathie. Dies wird noch gesteigert, indem er dafür ins Gefängnis muss. All dies verspricht eine tiefgründige und sehr wirkungsvolle Auseinandersetzung mit dem Thema "Politische Verantwortung von Künstlern".

Doch nach dem Gefängnisaufenthalt verliert der Film sein Zentrum, bzw. er verlagert es auf die manische Sucht von Dalton, sich durch Arbeit wieder zu rehabilitieren. Das fällt ihm allerdings gar nicht schwer - im Gegenteil. Ein Produzent von sinnfreien B-Movies überschüttet Dalton förmlich mit Arbeit, die dieser dann mit seinen Kollegen teilt. Das ist mitunter komisch - aber nicht besonders relevant. Schließlich geht es darum, Schrott zu produzieren. Erst spät gelingt es Trumbo, für seine Arbeit an zwei Oscar-prämierten Filmen wieder den eigenen Namen durchsetzen zu dürfen.

Aus der politischen Fragestellung ist so eine nur noch private - und damit weit weniger ausstrahlungskräftige - geworden. Und selbst auf dieser Ebene ist nie ganz klar, worum es eigentlich geht: um die Familie? Hier gibt es zwar ein paar kleinere Unstimmigkeiten, aber wirklich auf dem Spiel steht nichts. Ehefrau und Tochter werden recht patriarchalisch mal übergangen, mal gewürdigt.

Vielleicht steht aber auch Daltons narzistischer Ehrgeiz im Mittelpunkt, weil er zwar Oscars gewinnt, diese aber nicht abholen darf? Sicherlich eine Kränkung - aber im Vergleich zur Relevanz der vorherigen Themen eher marginal. Oder soll ein veritables Künstlerdrama gestaltet werden, das uns erzählt, wie ein benachteiligter Autor nie mehr zu der Schaffenskraft findet, zu der er eigentlich fähig wäre? Doch man hat kaum den Eindruck, dass Trumbo ein Künstler ist, der aus eigenem Antrieb schreibt. Und die Filme, für deren Drehbuch er verantwortlich zeichnet, stehen in der ewigen Bestenliste der Kinogeschichte auch nicht mehr ganz oben.

Wenn also Dalton Trumbo am Ende Tränen darüber vergiesst, wie ungerecht es für ihn und andere war, auf der schwarzen Liste der verfemten Autoren gestanden zu sein, muss man sagen: wir Zuschauer haben davon nicht viel gesehen. IHM, Dalton, ging es ja vergleichsweise gut; und die, deren Leiden er ins Bewusstsein rufen will, wurden vom Film kaum gezeigt. Sein einziger echte Leidensgenosse stirbt an Lungenkrebs und nicht an Kummer.

"Trumbo" ist also ein Film geworden, der in interessierten Kreisen bestimmt Interesse wecken wird. Aber es dürfte kaum gelungen sein, ein wirklich fesselndes, weil thematisch universell fokussiertes Drama zu schaffen. Eher ist ein Film entstanden, der von allem ein bißchen was liefert. Die Erfahrung am Markt lässt uns solchen Filmen gegenüber skeptisch bleiben. Von "Trumbo" wird in den nächsten Wochen womöglich recht bald nicht mehr viel zu sehen sein.

München, 16.3.2016

Roland Zag



Paramount Pictures

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