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Filmbesprechung

BULLYPARADE – DER FILM

 

Buch: Rick Kavanian, Christian Tramitz, Bully Herbig, Alfons Biedermann;

Regie: Bully Herbig

 

 

Die phänomenale Breitenwirkung Bully Herbigs verdankt sich in erster Linie dem inspirierten ‚Schuh des Manitu’ aus dem Jahre 2002. Er erzählte eine im Prinzip klassische, dramaturgisch klar gebaute Drei-Akt-Geschichte von Raub, Verrat und starken zwischenmenschlichen Spannungen. Der eigentlich dramatische Impact wurde zugleich permanent durch die unerwarteten parodistische Abweichungen, also die Lacher gebrochen. Die Zuschauer wurden von der dramatisch aufbereiteten Geschichte einerseits mitgerissen, andererseits zum Lachen angesteckt, weil nichts so kam, wie es zu erwarten war. Die Witze überhöhten und beschleunigten das narrative Geschehen.

 

So entsteht – wie bei jeder gelungenen Komödie - ein komisches Tempo, das dem des reinen Witze-Erzählens bei weitem überlegen ist. Denn jeder Witz erzählt im Grunde seine eigene Geschichte. Jeder beginnt wieder von vorn. Die Tempo-Bandbreite des reinen Witze-Erzählens oder der Sketch-Folge ist also arg limitiert. Beschleunigung oder Tempodrosselung wird erst möglich, wenn eine dramatische Story die Grundlage bildet, um die Gags irgendwann zu einer Art Aufmerksamkeits-Overkill zu führen: einerseits sind wir gespannt, wie der Konflikt die Story weitertreibt, andererseits reiben wir uns vor lauter Lachen die Augen. Erst beides zusammen – Spannung, Emotion UND Humor bilden die Komödie. Und mitunter kann es auch sein, dass das Lachen ganz erstirbt, weil die Gefühle Überhand nehmen – was der Wirkung erst recht wieder weiter hilft.

 

Von dieser Technik wendet sich „Bullyparade – Der Film“ nun völlig ab. Der Film besteht aus vier Episoden samt Rahmenhandlung, die inhaltlich nahezu nichts mit einander zu tun haben. Fünf mal müssen die Zuschauer sich in neue Welten und neue Verhältnisse einfinden. Fünf mal brechen die Geschichten unvollendet ab. Fünf mal ist die soziale Relevanz gering: es geht eigentlich um nicht viel. Und fünf mal ist die emotionale Beteiligung der Zuschauer nahe Null.

 

In einigen Episoden wären dabei sogar durchaus Konflikte erkennbar. Wenn z.B. Winnetou erfahren muss, dass die angeblich große Liebe seiner Verlobten eigentlich nur ein Vorwand war, um ihm das Land der Apachen abzuluchsen, dann liegt da eine veritable Story mit erheblichem dramatischem und sozialem Impact: immerhin geht es um Lebensraum für Tausende von Indianern. Das könnte sehr dramatisch, und daher prinzipiell auch sehr komisch sein. Aber man müsste sich auf die Story einlassen. Doch das passiert nicht: die ZWEI Antagonisten, die nichts mit einander zu tun haben, müssten jetzt eigentlich erst einmal dramaturgisch aufeinander bezogen werden - einmal der sinistre Kopfgeldjäger, zum andern den Vater der Braut. Eine solche Entwicklung aber findet nicht statt, der Brautvater wird irgendwann vergessen, und auch der Kopfgeldjäger verschwindet schließlich im Nichts. Bevor ein dritter Akt den Knoten löst, beginnt die nächste Episode. Und in der wiederholt sich das Spiel.

 

Auch die Sissi-und-Franzl-Parodie, die Wall-Street-Persiflage, und schließlich die Enterprise-Variante teilen das Schicksal nicht ernst genommener Konflikte, weshalb sich prinzipiell keine dramatische Spannung, kein Tempo und keine Emotion einstellen will. Damit bleibt dann aber eben auch das Tempo der Witze immer dasselbe.  „Bullyparade – Der Film“ ist ein eher monotones Unterfangen ohne Höhe-und Tiefpunkte. Damit läuft das Unterfangen dem Erlebnischarakter des Kinofilms grundsätzlich entgegen.

 

Über die Qualität der Gags, der Lacher und Pointen braucht hier im Einzelnen nicht diskutiert zu werden. Gewiss werden sehr viele Bully-Herbig-Fans auch ohne dramaturgisch aufbereitete Story irgendwie auf ihre Kosten kommen. Gleichwohl sind im Kinosaal dann doch immer wieder viele lange Phasen zu beobachten, in denen das Geschehen auf der Leinwand und das Publikum sich nicht so recht synchronisieren wollen. Es wird zwar von Pointe zu Pointe gelacht, aber ein Fluss stellt sich nicht ein. Vom jauchzenden Vergnügen, wenn Story und Gags sich gegenseitig vorwärts treiben, überholen, ja förmlich überschlagen, kann kaum die Rede sein.

 

Insofern hat „Bullyparade – Der Film“ mit massiven Problemen zu kämpfen. Genau genommen sind die Marktaussichten, wenn man allein den Film betrachtet, gering. Eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte auf dem Niveau des ‚Schuh des Manitu’ scheint daher völlig ausgeschlossen.

 

Aber natürlich steht dem die gewaltige Marketing-Kampagne des potenten Verleihs, ein vielversprechender Trailer sowie ein noch immer gewaltiges treues Bully-Herbig-Fanpublikum entgegen. Millionen von Menschen haben Lust, sich mal wieder den Spaß zu gönnen, einfach nur zu lachen.

 

Insofern wird es in den nächsten Wochen spannend sein, zu beobachten, wie sich die beiden widerstreitenden Kräfte organisieren: auf der einen Seite der Film, dessen reales komisches Potenzial eher bescheiden ausfällt – auf der anderen Seite die riesigen Erwartungen eines gewaltigen Publikums.

 

Wie lange wird es dauern, ehe sich die lauwarme, wenn nicht desaströse Mundpropaganda durchsetzt? Bis zum allmählichen Abflachen der Kurve dürften da bereits ein, zwei Millionen Besucher bereits verbucht worden sein.  Aber das Endergebnis könnte dann doch eher enttäuschen und am Ende dort liegen, wo ‚Sissi-Wechseljahre einer Kaiserin’ am Ende landete (nämlich bei unter drei Millionen); ganz sicher jedoch nicht bei Traumergebnissen, wie sie der inspirierte ‚Schuh des Manitu’ einst einfuhr.

 

München, 19.8.2017

 

Roland Zag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Julieta

Quelle: Warner Bros.