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Filmbesprechung

VIER GEGEN DIE BANK

 

Buch: Tripper Clancy, Lucy Astner; Regie: Wolfgang Petersen

 

 

Das Starkino ist ein legitimes filmisches Genre. Mitunter will das Publikum bekannte Gesichter in vorhersehbaren Rollen sehen. In „Vier gegen die Bank“ besagt schon der Titel, was auf einen zukommt. Ein gewisser altmodischer Charme ist garantiert - und damit die Weihnachtsunterhaltung für die ganze Familie vorprogrammiert. Umso mehr muss ein Film wie dieser versuchen, den immanenten Konflikt hochzuhalten. Dieser liegt hier in der chaotischen Schere zwischen Anspruch (vier Amateure wollen eine Bank ausrauben) und Wirklichkeit (eigentlich geht alles schief, aber letztlich dann eben doch gut aus). Solange dieser Konflikt vorherrscht und der Culture Clash zwischen den sehr unterschiedlichen Charakteren zur Wirkung kommt, können die Stars ihre Routine zum Einsatz bringen. Sobald aber aus Harmlosigkeit Vorhersehbarkeit wird, der Konflikt also zu früh aufgelöst wird, kann die Spannung auch verloren gehen. 

 

In „Vier gegen die Bank“ ist schön zu beobachten, wie der Unterhaltungswert des Films zu Beginn erst einmal ansteigt, weil sich die zentralen Figuren in ihren individuellen Schwächen und Konfliktfeldern erst kennen lernen. Vor allem solange der Bankangestellte TOBIAS (Bully Herbig) als Feindbild von CHRIS (Til Schweiger), MAX (Matthias Schweighöfer) und PETER (Jan-Josef Liefers) Zielscheibe von deren Rachsucht ist, und diese Dynamik erst langsam kippt, bleibt das Geschehen gut in Bewegung.  

 

All diesen Prozessen ist eine gewisse Unberechenbarkeit zu eigen. Alles, was schief gehen kann, geht auch schief – aber dann um Haaresbreite eben doch immer wieder zugunsten der Protagonisten aus. Genau darin liegt das Wesen der Komödie: in der Differenz zwischen dem, was Figuren wollen, und dem, was sie erreichen. Dieser Grundkonflikt des Films ist bis gut zur Hälfte des Films spürbar.

 

Doch das ändert sich. Als sich das bei einem Bankraub erbeutete Geld als unbrauchbar herausstellt, sind die vier Räuber wider Willen am Ende. Dieser emotionale Tiefpunkt kommt SEHR früh; und nach einer Phase, in der die Polizistin ELISABETH (Antje Traue) das herauskriegt, was wir ohnehin schon wissen, schließt sich ein überdimensional langer dritter Akt an. Hier ist nun alles anders. Die Vier schmieden einen Plan, der dem Publikum nicht nur eins zu eins mitgeteilt, sondern auch reibungslos umgesetzt wird.

 

Von diesem Augenblick an ist der Grundkonflikt verloren gegangen. Das Publikum weiß längst alles, und die liebenswerten Unzulänglichkeiten der Figuren verschwinden ganz hinter der Abarbeitung einer Strategie. Die komödiantische Schere zwischen Schein und Sein verschwindet. Doch nicht nur das wirkt enttäuschend.

 

Langsam, aber sicher kommt dem Publikum auch zu Bewusstsein, dass unschuldige Obdachlose dazu benutzt werden, um für etwas bestraft zu werden, das sie nicht begangen haben. Gerade indem der ‚Bösewicht’ Schumacher (Thomas Heintze) als Abziehbild und Witzfigur aufgebaut wurde, fällt umso bitterer auf, dass neben ihm auch noch zwei sympathische alte Kollegen von Chris als Kollateralschaden verheizt werden und in den Knast wandern sollen. Andere sollen für das büßen, was die Hauptfiguren selbst getan haben. Der ‚human factor’ geht hier verloren, und damit auch die gute Laune.

 

Überhaupt ist das Zwischenmenschlichen nicht besonders liebevoll gestaltet. Obwohl in der Ehe zwischen Peter und seiner Frau FREDDIE (Alexandra-Maria Lara) vieles im Argen liegt, geht das Drehbuch nicht weiter darauf ein. Obwohl der rabiate Chris durchaus Wandlungspotenzial in sich trägt, wird seine Figur nicht weiterentwickelt. Der vereinsamte Tobias lechzt eigentlich nach der Möglichkeit, sich mal erotisch auszuprobieren, erhält aber vom Drehbuch dafür keine Gelegenheit. Und auch die Liebesbeziehung zwischen Max und der toughen Polizistin steht unter dem ungünstigen Stern der absichtlichen Täuschung. Am Ende geht es dem Film eigentlich nicht um die Figuren, sondern das Geld. 

 

So gesehen liefert „Vier gegen die Bank“ bei allem kurzfristigen Unterhaltungswert dramaturgisch immer weniger Stoff. Altmodisch dürfen harmlose Familienfilme über Weihnachten ruhig sein. Aber wenn der innere Konflikt – in diesem Fall zwischen hochfahrenden Plänen und dilettantischer Umsetzung – zu früh verloren geht, wird die Vorhersehbarkeit zum Problem. In diesem Fall dürfte dann auch noch die Gleichgültigkeit gegenüber dem ‚human factor’ dazu führen, dass es dem Film an Wärme mangelt. Das aber, was einer Komödie am meisten schadet, ist ein schwacher dritter Akt.

 

Vorläufig also wird „Vier gegen die Bank“ aufgrund der Starbesetzung an der Kinokasse ganz sicher abräumen. Doch sobald sich herumgesprochen hat, dass der Spaß nur eingeschränkt unterhaltsam ist, könnte das Interesse drastisch abflauen. Gut möglich, dass dem teuren Unternehmen am Markt enge Grenzen aufgezeigt werden. Daran können dann womöglich auch die vielen Stars nicht mehr viel ändern. Daher wird „Vier gegen die Bank“ höchstwahrscheinlich mit den bisherigen Überfliegern des deutschen Marktes („Willkommen bei den Hartmanns“, „Der geilste Tag) nicht mithalten können.

 

München, 29.12.2016

 

 

Roland Zag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Julieta

Quelle: Pandora